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Anleitung zur Familienforschung

Eine kleine Stammbaumschule


Simon Benne, Hannoversche Allgemeine Zeitung

Oft gibt ein verstaubtes Poesiealbum, das sich auf dem Dachboden findet, die Initialzündung. Oder ein Foto von der Urgroßmutter, die mit großem Hut vor einer Blumenvase steht. Bei der Suche nach den Ahnen ist es ratsam, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten ...

SCHRITT EINS: VERWANDTE ABKLAPPERN
Die ersten Daten finden sich daheim: bei Eltern und Großeltern, bei denen alte Geschichten noch präsent sind und die alte Dokumente verwahren. Oft lohnt es sich, Erzählungen mit der Videokamera aufzuzeichnen.

SCHRITT ZWEI: AHNEN ORDNEN
Wichtig ist es, Bilder und Notizen systematisch zu ordnen. Ahnen sollte man "nummerieren" und in eine Kartei oder Datei einordnen. Denn geht man zehn Generationen zurück, hat jeder bereits 2047 Vorfahren. Eine Ahnentafel hilft, die Übersicht zu behalten: Ganz unter in diesem auf der Spitze stehenden Dreieck steht der Forscher (Nr. 1), darüber dessen Vater (Nr. 2) und Mutter (Nr. 3), darüber deren Eltern, stets mit Geburts-, Trau- und Sterbedaten.

SCHRITT DREI: ZUM STANDESAMT
Nächste Adresse sind die Standesämter. Seit 1874 verwalten sie in Deutschland das, was im Beamtenjargon "Personenstandswesen" heißt. Laut Datenschutzgesetz bekommen Bürger nur Auszüge aus den Unterlagen, wenn sie ein "berechtigtes Interesse" haben. Ahnenforschung wird in aller Regel als solches anerkannt. Die Standesämter verschicken gegen Gebühren von rund fünf Euro Kopien. Da etwa Sterbeurkunden meist auch den genauen Geburtsort und -tag des Toten verzeichnen, geht die Zeitreise in die Vergangenheit oft schnell voran - bis in die Zeit vor den Standesämtern.

SCHRITT VIER: ARCHIVE SUCHEN
Bevor die Standesämter dies übernahmen, hielten die Pfarreien in Kirchenbüchern fest, was wichtig war: Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Die meisten Bücher sind heute in zentralen Archiven der Landeskirche, des Kirchenkreises oder des Bistums einsehbar, oft als Mikrofilme. Welche Kirchenbücher als Erst- oder Zweitschriften in den niedersächsischen Staatsarchiven verwahrt werden, kann online abgefragt werden. Dass Familienforscher bei Landpfarrern klingen müssen, ist vergleichsweise selten. Dafür kommen Kirchenbuchforscher oft beim Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) an einen toten Punkt: Viele ältere Aufzeichnungen gingen damals in Flammen auf. Ersatzinformationen bieten Steuerregister und andere Quellen in den Staats- und Stadtarchiven.

SCHRITT FÜNF: LESEN LERNEN
Wer in Kirchen-, Staats- oder Stadtarchiven stöbert, muss oft ganz neu lesen lernen, um die altertümlichen Handschriften entziffern zu können. Denn es reicht nicht, die Schrift lesen zu können, die nach dem Grafiker Ludwig Sütterlin benannt wurde. Diese wurde an Preußens Grundschulen erst 1924 eingeführt; man muss auch frühere Schriften lernen. Ein weiteres Problem sind in älteren Dokumenten die oft s eltsamen Abkürzungen. So findet sich als Monatsbezeichnung oft "7ber". Damit ist nicht der Juli als siebenter Monat gemeint, sondern der September, denn "7" steht fürs lateinische "septem". Vornamen wurden oft schludrig beurkundet, Familiennamen nach Gehör geschrieben: Ein "Daniel Heinrich Meyer" kann durchaus mit einem "Heinrich Meier" identisch sein - muss aber nicht.

SCHRITT SECHS: INS AUSLAND
Beim Erstellen vieler Stammbäume steht irgendwann der Schritt über die Grenze an, wenn Vorfahren aus dem Ausland oder den früheren Ostgebieten stammen. Nicht alle alten Kirchenbücher von dort sind verloren gegangen. Bereits vor 1945 wurden einige auf Mikrofilm aufgezeichnet, andere werden heute nach und nach abfotografiert - auf Betreiben der Mormonen: Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzen Tage" hat in Salt Lake City ein riesiges Archiv mit rund zwei Milliarden Namen und Personalien Verstorbener zusammengetragen. Aus religiösen Gründen, denn Mormonen glauben, dass ihre Ahnen heilige Handlungen wie die Taufe, die posthum vollzogen werden, akzeptieren können. Die meisten Gemeinden unterhalten eigene Familienforschungsstellen, in denen sie auch Nichtmormonen weiterhelfen.

SCHRITT SIEBEN: INS INTERNET
Informationen für Einsteiger gibt es bei den Portalen www.genealogienetz.de und www.ahnen- forschung.net. Unter www.ortsfamilienbücher.net lässt sich die Einwohnerschaft ganzer Landstriche erforschen. Millionen von Einträgen haben private Ahnenforscher in den Internet- Datenbanken Gedbas und Foko (gedbas.genalogy.net und foko.genealogy.net) zusammen getragen - da kann auch derjenige noch Zufallstreffer landen, der die ältesten Kirchenbücher schon durchgeackert hat.

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